Mein erster Job mit richtig viel Verantwortung. Eines Morgens ruft mich der Geschäftsführer völlig überraschend zu sich und erwartet mich in seinem Büro mit Grabesmiene. Mein Herz schlug bis zum Hals, obwohl es bei seinem Anblick in die Kniegegend gerutscht war. Er hatte Wind davon bekommen, dass ich gegen den ausdrücklichen Wunsch eines Abteilungsleiters ein Meeting einberufen hatte, in dem zwei rivalisierende Abteilungen sich austauschen sollten, um künftig produktiv zusammen zu arbeiten. Der Geschäftsführer hörte sich meine Erklärungen an und griff dann wortlos zum Telefon, um die Personalleitung anzurufen. Diese fragte er mit unheilverkündender Stimme: "Was gibt es bei uns für Widerstand gegen die Obrigkeit?" Die Antwort nahm er wiederum schweigend entgegen, legte auf und betrachtete mich mit ernstem Gesichtsausdruck. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken und überlegte grade krampfhaft, was ich mit der vielen Zeit nach der Kündigung anfangen könnte, als er mit schelmischem Blick meinte: "200,- Euro Gehaltserhöhung hat die Personalchefin gemeint - ich hoffe, das passt auch für Sie?" Typisch Karl, danke dafür!
Vor wenigen Jahren hatte ich zum ersten Mal den Job verloren und war überglücklich, als sich kurzfristig etwas Neues, zudem in der Nähe, ergeben hatte. Die Abteilung, in die ich kommen sollte, bestand aus einem gesunden Alt-Jung-Mix und ich wurde dort am herzlichsten gerade von der Kollegin empfangen, die kurz vor meiner Einstellung gekündigt worden war. Diese überaus freundliche und engagierte Kollegin war nach 23 Dienstjahren von ihrem neuen Chef gekündigt worden, weil er sich sein Team neu zusammen stellen wollte. Und anstatt der Firma mit Klage zu drohen und der Neuen (sprich mir), die sie offenbar ersetzen sollte, den Einstieg so steinig wie möglich zu gestalten, empfing sie mich mit aller größter Herzlichkeit und unterstützte mich bei allem und jedem, machte Werbung für mich in den anderen Abteilungen, sodass ich mich rasch integrieren konnte und mit Leichtigkeit in die neue Aufgabe fand. Als sie schließlich ihren letzten Arbeitstag hatte, war ich wahrscheinlich von allen die traurigste und ich vermisste sie in den darauf folgenden Wochen und Monaten sehr. Schön, dass wir heute noch befreundet sind. Jeder kann für sich entscheiden, wie er mit schwierigen Situationen im Leben umgeht. Von ihr habe ich gelernt, dass es immer der bessere Weg ist, wenn man in jeder Lage das Positive erkennt. Vielen Dank dafür, liebe Sissi!
Vor vielen Jahren, ich war kurz zuvor von Wien zurück aufs Land gezogen, gab ich meinen großartigen Job bei Coca-Cola auf, um in eine fast bis zur Unkenntlichkeit klein geschrumpfte Firma in der Pampa zu wechseln (vormals ein sehr erfolgreiches österreichisches Produktionsunternehmen, das gerüchtehalber aufgrund von Zahlendrehern als unrentabel erachtet und geschlossen worden war). Dort traf ich auf Cholerikerchef Nr. 1. Aber unsere Zusammenarbeit währte zum Glück nur kurze Zeit. Wenig später kam ein Neuer, der die Abteilung und somit auch mich übernahm und es dauerte ein Weilchen, bis wir eine gemeinsame Ebene fanden. Ich hatte gerade das erste Jahr meines berufsbegleitenden Studiums mit Bravour absolviert und fand, auch meine Leistung im Job wäre mehr wert, als sie zu dem Zeitpunkt einbrachte. Mein Begehr einer Gehaltserhöhung wurde jedoch abgelehnt mit der Begründung, die anderen Kollegen würden auch nicht mehr bekommen. Meinem Chef war diese negative Nachricht fürchterlich unangenehm, weil auch er der Meinung war, dass ich mehr verdient hätte. Als ich nach einer Woche Urlaub zurück in mein Büro kam, fand ich auf meinem Schreibtisch ein Kuvert. Und wieder sank mir das Herz eine Etage tiefer, denn man kennt das ja, dass man im Urlaub gerne mal abgesägt wird. Mit zittrigen Händen öffnete ich den Brief und entnahm diesem ein handgeschriebenes Schreiben meines Chefs, in dem er sich für meine Arbeit bedankte, zusammen mit einem Geldschein, der aus seiner eigenen Börse stammte. Dieser sollte als kleine Entschädigung für die versagte Gehaltserhöhung dienen. Das ist eines dieser wunderbaren Erlebnisse, das einem ewig in Erinnerung bleiben wird. Ich danke dir vielmals dafür, Wolfgang.
Es ist schon eine kleine Ewigkeit her. Es war mein allererster Job nach dem Wirtschaftskolleg. Ich hatte die allererste Arbeitswoche hinter mir und stand grade beim Kopierer, den ich bereits in dieser ersten Woche bis zum Stau malträtiert hatte. Nur ich und eine Kollegin waren noch anwesend. Diese Kollegin hatte ich die ganze Woche nicht beachtet. Ihr Gesichtsausdruck bei der Vorstellrunde am ersten Arbeitstag hatte nichts Gutes verheißen. Er hatte so etwas beleidigtes, angerührtes. Ich hielt sie für eine mimosige Zicke und war daraufhin auf Distanz zu ihr gegangen. Und nun waren wir am Ende dieser ersten Arbeitswoche die Einzigen, die noch herum hingen im großen Empfangsraum der Firma. Plötzlich kam sie auf mich zu, lächelte mich unglaublich freundlich an und sagte: "Wahnsinn, und schon hast du die erste Woche deines Berufslebens hinter dir. Wie geht es dir und gefällt es dir denn bei uns?" Vermutlich hab ich sie in dem Moment nur blöd und überrascht angestarrt, weil ich feststellen musste, wie gravierend ich mich in ihr getäuscht hatte. Und wie sehr mein erster Eindruck mich getrügt hatte, sollte sich in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren zeigen, denn diese Kollegin ist einer der loyalsten, herzlichsten, trotz größter Widrigkeiten positiv denkenden Menschen, die ich in meinem ganzen Leben kennen gelernt habe. Sie ist mir in schwierigsten Momenten beigestanden und hat mir den Rücken gedeckt, wo sie nur konnte, ohne dass ich es jemals erfahren hätte, wenn nicht andere gepetzt hätten. Und immer noch passiert es alle paar Jahre, dass wir wieder zusammen finden und uns austauschen. Und jedes Mal stelle ich fest, sie ist es immer noch - dieser warmherzige, liebevolle und gütige Familienmensch. Ich vermisse dich, Doris!
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