Direkt zum Hauptbereich

125 Bewerbungen und noch immer kein passender Job in Sicht

300 Bewerbungen und ebensoviele Absagen - die letzten Tage habe ich beim Assessment Center für ein Training Menschen kennen gelernt, die das und Schlimmeres hinter sich haben. Das muss man sich einmal vorstellen: 300x gehofft, 300x enttäuscht !!! Und es sind durchwegs Leute mit guter Bildung und ansehnlicher Erfahrung. Es braucht viel Kraft und die richtige Einstellung, um daran nicht zu zerbrechen und stattdessen mit Eifer, Hoffnung und dem Ziel vor Augen weiter zu machen. Im Vergleich dazu sind meine rund 125 Bewerbungen harmlos, ja fast beschämend wenig.

Und dennoch stand ich vor vielen Monaten, als die Absagen fast schon postwendend eintrafen, auch schon vor der Entscheidung: 1. Verzweifeln oder 2. Sichtweise ändern und mit Elan weiter machen. Ich entschied mich für Variante zwei. Übrigens: egal wie freundlich, zuvorkommend und wertschätzend eine Absage auch formuliert ist, Absage bleibt Absage. Die kürzeste aus meiner persönlichen Statistik besteht aus 55, die längste aus 254 (!) Worten. Im zweiten Fall sucht man schon eine Weile, um aus den vielen unnötigen Beisätzen die Quintessenz auszugraben. (M)Ein Appell daher an die Personalberater: macht es doch bitte kurz! Es ist wie es ist und wird nicht besser, wenn man es in einen Roman verpackt oder als Suchrätsel gestaltet.

Zugegeben, es ist schon der Hammer, wenn man ein Jobinserat sieht, von dem man überzeugt ist, man wäre DIE Top-Kandidatin, es könne niemanden geben, der besser dahin passt, man hat alle geforderten Erfahrungen, Eigenschaften, Kenntnisse, die Firma ist quasi ums Eck und das Gehalt kann mit ein wenig Verhandeln auch passend gemacht werden. Sofort macht man sich an die Bewerbung, studiert die Keywords, konstruiert Sätze, die von hohem Interesse und ebensolcher Kompetenz zeugen sollen, schickt das ganze per Email oder auch online und schwelgt für ein paar Tage in Vorfreude auf einen Anruf und die Einladung zum persönlichen Termin. Dann tut sich lange gar nichts und langsam verblasst die Vorfreude, droht umzuschlagen in Enttäuschung, vielleicht sogar ein wenig Ärger. Soviel Mühe für nix und wieder nix.

Ärger ist vor allem dann angesagt, wenn die lapidare Rückantwort lautet: Sorry, Job schon besetzt! Ja warum um Gottes Himmels Willen läßt man dann das Inserat Online? Weil es schon bezahlt ist? Ist das ein Grund, hoffnungsvolle Bewerber in die Irre zu führen? Man läßt zu, dass sich Menschen Arbeit und Hoffnung machen, obwohl klar ist, dass diese vergebens ist? Ein anderes Argument ist da, dass es ja sein könnte, dass der erwählte Kandidat sich dann doch als Niete heraus stellt. Für diesen Fall behält man sich laufend Bewerber als Ersatz in petto. Toll für den Berater - blöd für die Bewerber.

Nervig sind die Personalberater, die ein Inserat für denselben Job alle paar Wochen mit einer anderen Kennnummer tarnen und neu online stellen. Ich sehe es, denke, "Super, schon wieder so ein toller Job, für den ich perfekt passe" und bewerbe mich umgehend. Ebenso umgehend kommt die (an der Grenze zur Unfreundlichkeit kratzende) Antwort, dass man sich bereits mehrfach beworben hätte, aber immer noch nicht passen würde. In dem Fall ist mir völlig schleierhaft geblieben, was der Personalberater tatsächlich mit seiner Vorgehensweise bewirken wollte....

Immer wieder passieren völlig unerwartete, überraschende und teils wirklich kuriose Dinge, die fernab vom üblichen Prozedere ablaufen und teils verwunderlich, teils ärgerlich, oftmals aber auch erheiternd und sogar erfreulich sind. Ich habe hier ein paar Bon Mots aus meinem Repertoire zu sammen gefaßt. Bin überzeugt, dass viele Arbeitssuchende ebenso Erzählenswertes erleben und würde mich freuen, davon zu erfahren.

Letzten Herbst hatte mich beispielsweise eine Firma zum dritten Gespräch eingeladen und schlichtweg versetzt. Das ist mir noch nie passiert. Mein Gesprächspartner war zur vereinbarten Zeit in Besprechung und unabkömmlich. Meine Nachfragen bei den potentiellen Kollegen und Vorgesetzten, die - wie ich später erfuhr - sich um mich hätten "kümmern" sollen - ergaben: "An das musst du dich bei uns gewöhnen - das ist halt so!"

Ein positives Beispiel aus der Schublade "Nix ist fix": letzten Herbst hat das Land Burgenland Jobs im "gehobenen Rechnungs- und Verwaltungsdienst" ausgeschrieben. Auf meine Bewerbung hin erhielt ich eine Einladung zum Eignungstest an der FH in Eisenstadt. Danach passierte lange Zeit nichts und irgendwann folgte die schriftliche Absage per Post. Dieser Tage lag ein Schreiben vom Land Burgenland im Postfach. Voller Neugier und völlig ahnungslos öffnete ich den Brief und fand, trotz bereits erhaltener Absage, eine Einladung zum Eignungsgespräch und Interview. Danke - ich freu mich drauf!

Vor dem Sommer hatte ich mich für einen Job mit dem Titel "Einkauf/Buchhaltung/allg. Verwaltung" beworben. Ich wurde zum Gespräch geladen. Der Termin mit dem Geschäftsführer dauerte rund 30 Minuten - sehr kurz für ein Erstgespräch und nach meiner Erfahrung meist kein gutes Zeichen. Zumal ich im Gespräch den unangenehmen Eindruck erhielt, dass ich meinen Gesprächspartner unheimlich fadisierte mit dem, was ich ihm erzählte. Beim Verlassen war mir klar: das wird eine Absage. Tatsächlich folgte rund zwei (!) Monate später die Einladung zur Endrunde, wo man zwischen drei Kandidaten entscheiden wollte. Ebenso überraschend: gesprochen wurde plötzlich über den Aufbau des strategischen Einkaufs und die Projektleitung für die Einführung einer neuen Firmensoftware. Mir war nicht bewusst, mich dafür beworben zu haben

Personalberater haben es auch nicht immer einfach mit ihren Kunden. Letzten Sommer, kurz nach der Kündigung meines letzten Jobs, durfte ich ein sehr aussichtsreich scheinendes Erstgespräch mit Personalberater und Geschäftsführer eines Unternehmens in Eisenstadt führen. Der über die Maßen gute Gesprächsverlauf, wie auch die herzliche Verabschiedung mit einem in Aussicht gestellten "wir  sehen uns bestimmt wieder" schürten meine Erwartung, dass ich MEINEN nächsten Job gefunden hatte. Gleichzeitig wurde aber meine Geduld auf eine harte Probe gestellt, denn man wollte erst nach dem zweiwöchigen Urlaub des Personalberaters im Bewerbungsprozess weiter machen. Diese zwei Wochen erschienen mir endlos lang, aber ich war bester Dinge, denn ich hatte wirklich Anlass zur Hoffnung, dass sich das Unternehmen für mich entscheiden würde. Am zweiten Tag nach der Rückkehr aus seinem Urlaub, rief mich der Personalberater an, um mir abzusagen. Das Unternehmen hatte sich unmittelbar nach meinem Bewerbungsgespräch entschlossen, die Stelle mit einer ehemaligen Mitarbeiterin zu besetzen. Für die Mitteilung der schlechten Nachricht hatte man mich zwei Wochen unnötig warten und hoffen lassen und diese undankbare Aufgabe dem Personalberater übertragen ...

Dann hatte ich mich bei einem Personalberater in Oberösterreich für eine Stelle im Burgenland beworben und wurde zu einem Vorstellungsgespräch nach Wien eingeladen. Dieses fand am Wochenende im Urlaub des Beraters statt und war aus meiner Sicht sehr positiv und aussichtsreich verlaufen. Im nächsten Schritt folgte ein Email, in dem der Personalberater alle Beteiligten anschrieb, die jeweiligen Kontaktdaten verteilte und Kontaktaufnahme vorschlug. Nach einigen Startschwierigkeiten kam es zum Interviewtermin. Das Gespräch startete mit rund 15 Minuten Verspätung mit der Frage: "Warum haben Sie sich eigentlich vorgestellt? Die Stelle ist schon längst besetzt."

Immer wenn so etwas passiert, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass Wertschätzung in solchen Unternehmen nicht gerade groß geschrieben wird. Manchen sieht man es schon zwei Kilometer gegen den Wind an, dass bei ihnen der Mitarbeiter gesprochen Mittelpunkt, geschrieben Mittel "." ist. (verstanden?)

Meinen Traumjob wähnte ich in einem Stelleninserat eines sozial orientierten Vereins mit Aufgaben im Personalbereich, zudem Teilzeit und in der Nähe. Da passte wirklich alles. Und dass es meinem Gegenüber ebenso mit mir ging, stellte sich unmittelbar nach dem Versand meiner Bewerbung heraus, als ich angerufen und zum Gespräch eingeladen wurde. Nach einem durchaus positiven Erstgespräch folge eine Serie der Mißverständnisse, die darin gipfelte, dass mich meine potentielle zukünftige Chefin beim Durchgehen meiner Testergebnisse (ich hatte einem Eignungstest zugestimmt) anpflaumte: "Das haben Sie falsch gelöst! Das kommt daher, dass sie glauben, Sie wissen eh alles und dann lesen Sie nicht mal was da steht!" Tatsächlich ergab sich durch Nachfragen, dass gerade die Info, die für eine richtige Lösung erforderlich gewesen wäre, NICHT da stand. Das Unternehmen hatte hier von Gesetz und KV abweichende Regelungen mit seinem Personal getroffen. Als das geklärt war, kam die nicht minder unfreundliche Meldung: "Aber das ist IMMER so bei uns!" Als ich erklärte, dass ich das ja nicht wissen konnte, weil es jedes Unternehmen anders hält, setzte Sie noch einen drauf und meinte: "Dann hätten Sie halt fragen müssen!"

Und dann war da noch MEIN absoluter Traumjob ausgeschrieben: Geschäftsführer eines Tierheimes. Ich habe alles in mein Bewerbungsschreiben gesteckt, das man nur hinein stecken kann, um zu vermitteln, dass ich "the one and only" für diesen Job bin. Ich hätte mein Herzblut gegeben und sicher alles getan, für so eine Gelegenheit. Der Head Hunter musste das aus meiner Bewerbung heraus gelesen haben und lud mich zum Termin nach Wien ein. Bestens vorbereitet, mit einer tollen Präsentation, wie ich es angehen würde (diese hatte ich auch schon vorweg per Email geschickt), machte ich mich voller Hoffnung zum Gespräch auf. Dort ließ man mich 15 Minuten (das scheint IN zu sein) warten - der Gesprächspartner hatte sich beim Mittagessen verzettelt. Kann vorkommen. Im Gesprächsverlauf stellte sich heraus, dass er sich weder meinen Lebenslauf noch meine Präsentation angesehen hatte. Im Prinzip wusste er nicht, wen er vor sich hatte. Auf meine Nachfrage hin erklärte er, das mache er immer so, um objektiv zu bleiben. Auch gut - bei so einem Job, muss man wissen, was man tut - dachte ich. Trotz eines eher negativen Gesprächsverlaufs, in dem eine böse Unterstellung die nächste jagte (bei Kenntnis meines Lebenslaufes hätten wir uns das sparen können, aber vermutlich war's ein Test, wie ich reagiere) und der Head Hunter mit Selbstbeweihräucherung nicht gespart hat, verabschiedete er sich mit den Worten: "Ich bin sicher, wir sehen uns beim Assessment Center wieder!" Ich habe nie wieder von ihm gehört.

Es gäbe noch zahlreiche solcher und ähnlicher Geschichten und ich könnte noch endlos weiter erzählen. Lieber möchte ich an der Stelle ein paar Worte an die Personalberater und Unternehmen da draußen richten, über Dinge, die mir am Herzen liegen und vielleicht ist der eine oder andere für ein wenig Feedback dankbar:

  1. Vielen Dank an alle, die den Erhalt (m)einer Bewerbung bestätigen - das tun nur wenige und man darf es nicht erwarten, aber es ist eine großartige Geste und ein beruhigendes Zeichen, dass meine Bewerbung angekommen ist.
  2. Vielen Dank dafür, dass 99% der Bewerbungen zumindest eine Absage erhalten. Es ist das Mindeste, das sich ein Bewerber erwarten darf. Keine wie auch immer geartete Reaktion zu zeigen, das kommt nur ganz selten vor und selbst hier unterstelle ich, dass es an der IT und nicht an den agierenden Personen liegt.
  3. Nett, dass in den meisten Absagen als kleiner Hoffnungsschimmer die Standardfloskel mit der Evidenzhaltung steht. Aber ganz ehrlich: das könnt ihr euch sparen. Ich kenne (fast) keinen Personalberater, der sich die Mühe macht, seine Datenbank zu durchforsten. Das machen, wenn überhaupt, nur die Head Hunter.
  4. Please KISS - keep it simple and stupid! Ein "Danke" und "Leider nicht" reicht im Grunde, weil es alles aussagt, was man als Bewerber als Info benötigt. Schwulstige Formulierungen wie: "....täglich treffen wir viele Entscheidungen - auch solche, die uns weder leicht fallen noch angenehm sind: Ihnen heute abzusagen gehört dazu." ändern nichts an den Fakten - machen es eher noch schlimmer. Irgendwann liest man eure Emails nicht mehr und wer weiß, vielleicht hab ich auf diese Weise schon die eine oder andere Einladung zum Interview überlesen.
  5. Bitte keine falschen oder verfrühten Versprechen. Das ist nicht nur unseriös, sondern auf höchste Weise verstörend.
  6. Ach ja, und wenn euer Bewerber beim Interview immer langsamer und schwerer spricht, dann stellt ihm doch einfach ein Glas Wasser hin. Niemand erwartet, dass er nach Kaffeehausmanier bedient wird, aber ein wenig Flüssigkeit hilft vor allem bei langen Gesprächen, im Fluss zu bleiben.

Kommentare